Dieter Kränzlein stellt im Kahnweilerhaus aus


Coranabedingt wird die Vernissage wieder im Hof des Kahnweilerhauses stattfinden.

Die Ausstellung kann bis zum 30. Oktober 2021 zu den üblichen Öffnungszeiten donnerstags bis sonntags von 15-17 Uhr besichtigt werden.

„Als Steinbildhauer übt Dieter Kränzlein ein Metier aus, das steinalt ist. In der Steinzeit, der frühesten Epoche der Menschheitsgeschichte, wurden Werkzeuge aus Stein hergestellt. Bereits im Altertum wurden herausragende Kunstwerke erschaffen, wie etwa die 11 cm große Venus von Willendorf. Sie datiert in die jüngere Altsteinzeit (ca. 40.000 Jahre vor Christus) und besteht aus Kalkstein“, schreibt die Kunsthistorikerin Lucia Angela Cavegn am Anfang ihres Beitrags in dem Band „Dieter Kränzlein.“

Zu dem Künstler selbst und seiner Arbeitsweise führt sie dann weiterhin noch aus: “Dieter Kränzlein bearbeitet vor allem norwegischen Marmor und Mooser Muschelkalk. Aus diesen beiden Natursteinen stellt er sowohl freistehende Skulpturen als auch Wandobjekte her. Seine Werke haben einfache, klar umrissene Formen. Die geometrische Eckigkeit und Kantigkeit seiner früheren Arbeit ist in den vergangenen Jahren einer zunehmend weicheren, runden Formgebung gewichen. Die lapidare, mediative Formensprache steht in einem fein austarierten Gleichgewicht zur dynamischen Oberflächengestaltung, die der Künstler mit der Flex-Fräse ausführt. Durch Einschnitte wird die Außenseite des Steins belebt und der Eindruck von Kompaktheit, Statik und Schwere aufgelöst. Die Lineaturen der Fräszeichnung verleihen dem Stein Rhythmus und Bewegung. Die Schraffuren bilden entweder regelmäßige Gitter-Muster oder unregelmäßige filigrane Texturen, die der Natur entlehnt scheinen. Nebst der künstlerischen Handschrift prägt die Materialsprache den Ausdruck eines Werkes. So besitzt jede Gesteinsart besondere Eigenschaften.“

In ihrer Zusammenfassung stellt die Kunsthistorikerin noch fest: „Zum Oeuvre des in Bietigheim-Bissingen lebenden Künstlers zählen nicht nur dreidimensionale, freistehende Skulpturen und reliefartige Wandobjekte, sondern auch Monotypien, die er direkt vom geschliffenen Stein zieht. Der mit Bindemitteln und Pigmenten vermengte Schleifstaub bildet den abgetragenen Stein und somit sein Verschwinden ab. Die Monotypien, jede für sich ein Unikat, entstehen oft in Serie. In ihnen wie auch in den skulpturalen Werken gewährleistet die sinnliche Materie Vergegenwärtigung im Da-Sein, ohne dabei die übrigen zeitlichen Dimensionen vergessen zu lassen.“

Die Galeristin Ute Barth betont in ihrem Beitrag zu diesem Buch, dass sie vor allem die unglaubliche Leichtigkeit und Dynamik der Steinskulpturen Kränzleins beeindruckt haben. Es käme ihr so vor, als ob der Stein gebogen worden sei und als ob die tonnenschweren Muschelkalkarbeiten über dem Boden schweben würden. „Es scheint, als ob er auch auf dem Papier Skulpturen entstehen lassen und mit Stein zeichnen könnte… In Stein, Kunststoff und Papier ist Dieter Kränzlein ein Meister darin, die Grenzen des Materials auszuloten, Rhythmus und Spannung so einzusetzen, dass der Betrachter immer wieder neu überrascht und in Bann gezogen wird,“ stellt sie am Schluss ihrer Ausführungen fest.

Kränzlein hatte bereits Ausstellungen in Karlsruhe, Köln, Darmstadt, Stuttgart, Essen, Esslingen, Biberach, Bamberg, Regensburg, Homburg, Kempten, Herrenberg, Ludwigsburg, Ulm, Rottenburg,  Frankfurt und auch in der Schweiz, in Frankreich, in Hongkong und in den USA.